Jumneta

kühn waren die Bewohner

Jumneta

Jahrhundkalte Kunde Ward uns aus Saga's Munde: Der stolzen Stadt der Wenden, Jumneta's Mauern ständen Im tiefen Ostseegrund.

Kühn waren die Bewohner und nie des Rechtes Schoner, Aus freier Meeresweite Heimwärts mit reicher Beute Ihr starker Drache schwamm.

Einst jäh ergriff die Mauern Ein Wanken und Erschauern, Die See mit gier'gen Lippen Verschlang mitsamt den Klippen Die Stadt und all ihr Volk.

Es bleichen die Gebeine Im grünen Zwielichtscheine, Belpenstich das Gemäuer Lugt durch den Wogenschleier; Der Schiffer sich bekreutz.

Und Fische überschnellen, Aus Fugen ausgewaschen, Drängt sich in dichten Maschen Das Seegras ums Gestein.

Luise Deusch

Klara Luise Wilhelmine Deusch (1871 – 1925) deutsche Schriftstellerin und Dichterin

aus: ‚Gedichte‘ . Luise Deusch. 1909, Verlag J. F. Steinkopf Verlag, Stuttgart

‚Chronik der Slaven‘ Helmold, Lappenberg, Wattenbach u.a. 1910 Dyk’sche Buchhandlung, Leipzig

In dieser Chronik wird erwähnt vom Untergang von Jumneta (Vineta), ab Seite 6

Der Sage nach soll es sich beim dem Gedicht um Vineta handeln.

Des Domes Pfeilergänge

Nachhallen noch die Glocken

Des Domes Pfeilergänge
Durchrauch das Flutgedränge,
Die Glocke kommt ins Schwingen
Ins Summen und ins Klingen,
Zum Schiffer tönt's hinauf.

In blauen Mondennächten
Entringt den Wogenmächten
Jumnenta sich, die Zinnen
Erschimmern, silbern rinnen
Die Tropgen dran herab.

Wie eine Wundermäre
Jumneta steht, die hehre,
Um ihre weißen Hallen
Die Wasser singend wallen
Und schwebt der Glockenton.

Bis es mit Tagesleuchten
Rücksinkt in Meersfeuchten;
Nachhallen noch die Glocken,
O Fischer, flieh ihr Locken,
Sonst wird dir's angetan.

Weiß nicht, ob du's begehrtest,
Daß du mit wiederkehrtest, -
Gewiegt vom Wellenrollen
Wirst gerne schlafen wollen
Bei solchem Schlummersang.

Luise Deusch

Klara Luise Wilhelmine Deusch (1871 – 1925) deutsche Schriftstellerin und Dichterin

aus: ‚Gedichte‘ . Luise Deusch. 1909, Verlag J. F. Steinkopf Verlag, Stuttgart

‚Chronik der Slaven‘ Helmold, Lappenberg, Wattenbach u.a. 1910 Dyk’sche Buchhandlung, Leipzig

In dieser Chronik wird erwähnt vom Untergang von Jumneta (Vineta), ab Seite 6

Der Sage nach soll es sich beim dem Gedicht um Vineta handeln.