Lorbeer

Dem allzu ungestümen Liebeswerbe

Lorbeer

Dem allzu ungestümen Liebeswerben
Entrang sich Daphne einst. An wildem Herzen
Verwandelt' sie sich jäh zum kühlen Lorbeer.

Dem allzu ungestümen Liebeswerben
Um Ruhm verwandelt jäh die Glückschimäre,
Das schöne, gleissend schöne, kalte Weib,
Noch heut', noch stündlich sich in spitzen Lorbeer;
Den drückt der Liebestolle an die Brust,
Den drückt die Welt ihm lächelnd auf das Haupt.
Da dringe?! ihm die spitzen, scharfen Blätter
In Herz und Hirn. So giebt der Mitwelt er,
Der Nachwelt, tropfenweis, sein ganzes Selbst,
Sein Herzblut, all' sein Leben, seine Seele.

Doch droben, üppig, schattenkühl und blühend,
Wölbt sich im Garten des Olymp der Hain
Scharf duftend spitzer, glatter Daphneblätter
Am Todesbaume allen Menschenglücks,
Der ewiggrüne Lorbeer!

Hermine von Preuschen

Hermione von Preuschen (1854 – 1918), deutsche Malerin, Dichterin