Um Mitternacht blühen die Blumen

Sie schweben und schwingen den Reigen

Um Mitternacht blühen die Blumen

Um Mitternacht blühen die Blumen
Im Strahl des Vollmonds auf,
Da steigen aus ihren Kelchen
Die lieblichsten Elfen herauf. 

Sie schweben und schwingen den Reigen 
Und neigen und dreh'n sich im Chor,
Und selig erwachen die Vögel 
Und schau'n aus den Zweigen hervor.

Ein Rauschen wie Frühlingsgeflüster
Geht leise von Baum zu Baum,
Und treue, liebende Herzen 
Träumen den schönsten Traum.

Maria Stona

Maria Stona, geborene Maria Scholz (1861 – 1944), Dichter, Schriftstellerin, Sallonieré. Pseudonyme: Maria Stonawski, Maria Stona

Die Rose

Ein Röschen, schön wie’s je der Norden sah

Die Rose

Ein Röschen, schön wie's je der Norden sah,
Ganz einsam wuchs an eines Gärtchen Rand.
Noch nie war eine süße Blume da.
Und schönre Gärten waren nie bekannt.

Die Mädchen tanzten um es Ringelreihn,
Und weise Dichter es im Lied besangen.
Die flinken Elfen nachts im Mondenschein
Begossen es und küßten's voll Verlangen.

Doch weh! Der Gärtner gab nicht mehr drauf acht:
Mädchen und Elfen kamen nimmer wieder:
Und Dürre hatte Raupen hergebracht.
Die ließen sich auf Zweig und Knospen nieder.

Gott schütz' den Stocke! Wenn Himmel HIif' nicht endet,
Der Gartens schönste Blume dann verendet.

William Browne

William Browne of Tavistock (1590 – 1643), englischer Dichter

Elfenlied

Ein kleines Elfchen im Walde schlief

Elfenlied

Bei Nacht im Dorf der Wächter rief:
Elfe!
Ein ganz kleines Elfchen im Walde schlief -
Wohl um die Elfe! -
Und meint, es rief ihm aus dem Thal
Bei seinem Namen die Nachtigall,
Oder Silpelit hätt' ihm gerufen.
Reibt sich der sein Schneckenhaus,
Und ist als wie ein trunken Mann,
Sein Schläflein war nict voll gethan,
Und humpelt also tipp tapp
Durch's Haselholz in's Thal hinab,
Schlupft an der Mauer hin so dicht,
Da sitz der Glühwurm, Licht an Licht.
"Was sind das helle Fensterlein?
Da drin wird eine Hochzeit sein:
Die kleinen sitzen bei'm Mahle,
Und treiben's in dem Saale.
Da guck ich wohl ein wenig 'nein!"
- Pfui, stößt den Kopf an harten Stein!
Elfe, gelt, du hast genug?

Gukuk! Gukuk!

Eduard Mörike

Eduard Friedrich Mörike (1804 – 1875) deutscher Lyriker, Autor von Prosatexten, Pfarrer

aus: ‚Gedichte‘ 1867. Eduard Mörike. Verlag der JG Cotta’schen Buchhandlung. Seite 84 – 85