Blumengruss

Bringt Veilchen mir, daß ich den Frühling schaue

Blumengruß

Bringt Veilchen mir, daß ich den Frühling schaue,
So lang des Maies zarte Kinder blühn -
Wie sind sie schöne im jungen Morgenthaue!
Bringt Veilchen mir, daß ich den Frühling schaue,
Bringt Blüten mir und junges Maiengrün!

Bringt Rosen mir, des Lenzes Haupt zu krönen,
Die Sanduhr rinnt, die Blüten sinken hin!
Bald wird des Sommers Scheidegruß ertönen!
Bringt Rosen mir, des Lenzes Haupt zu krönen,
Bringt Blumen mir, so lang die Blumen blühn!

Agnes Franz

Louise Antoinette Eleonore Konstanze Agnes Fransky (1794 – 1843)

Der Schmetterling und die Blumen

Rastlos schwebt er von einer zur andern

Der Schmetterling und die Blumen

Ich möchte wohl wissen, was der Schmetterling den Blumen zu sagen hat!« sprach Alma zu ihrer Schwester Klothilde. »Rastlos schwebt er von einer zur andern, und wo er sich niedergelassen, da ist es, als glänzten der Blumen Sterne noch einmal so hell und so freundlich, und ich muß dann immer denken, er habe ihnen etwas besonders Liebes und Tröstliches vertraut.«
»Laß den Flattergeist seiner Wege ziehn!« entgegnete Klothilde. »Was wird es sein, das er den Blumen verkündet? Nichts, als daß er sie schön findet und nach diesem Geständnis weiter zu ziehen gedenkt. – O solch ein Schmetterling ist gewiß der ärgste Schmeichler, und darum haben ihn die eitlen Blumen so gern!«
»Ei, liebe Klothilde,« entgegnete Alma, »da glaub' ich denn doch etwas viel Besseres von beiden! Hast du nicht eben bemerkt, wie jener Schmetterling dort die welke Lilie umkreiste und sich zu ihr herabließ, als wollte er ihr ein freundliches Abschiedswort sagen? Sieh, er kommt wieder zurück und beugt sich noch einmal zu ihr herab wie ein Engel des Friedens. Gewiß, die Sprache des Schmetterlings ist von viel ernsterer Bedeutung.«
»Nun, so laß doch hören, was du von ihr verstanden?« begann Klothilde, nachdem Alma das Treiben des Schmetterlings mit ernstem Schweigen betrachtet hatte.
»Lächle nur,« entgegnete jene, »aber mir ist, als wäre der Schmetterling darum so innig mit der Blumenwelt vertraut, weil das Los ihrer Vergänglichkeit ihn rührt und er ihren Schmer; versteht. Wäre es nicht möglich, daß er dazu bestimmt wäre, die Stunde ihres Scheidens mit froher Hoffnung zu schmücken? Er durfte ja nur das Geheimnis seines eignen Lebens den Blumen vertrauen, wie er sein erstes Kleid abgelegt hat und wie ihm darauf ein so viel schöneres geworden ist. – Gewiß, die Blumen fühlen auch ihren Tod, und je reizvoller ihr kurzes Dasein war, desto trüber muß jene Vorstellung für sie werden. Denke dir nun, daß der Schmetterling der Herold des künftigen Lenzes ist, daß er in die welken Blumenherzen den Trost des Wiederaufblühens senkt – bekommt der Leichtbeschwingte dann nicht sogleich eine ernstere Gestalt? Ein Lichtbote der Blumen, ein leuchtender Verkünder des Lebens in der großen Werkstatt der Vergänglichkeit, – o laß dem Schmetterling diese Bedeutung! Sie erklärt so schön seine Liebe zu den Blumen und deren Sehnsucht nach ihm!«
Da drückte Klothilde der Schwester Hand, aber sie lächelte nicht, sondern sprach leise zu ihr: »Deine Vorstellung grenzt gewiß näher an die Wahrheit, als die meine, denn sie ergreift das Herz und öffnet es einer heimlichen Freude. Ich werde fortan nie den Schmetterling sehen, ohne an das Wort zu denken, das er zu den sterbenden, welkenden Blumenherzen spricht.«        

Agnes Franz (1794 – 1843)

Bildnis: Louise Antoinette Eleonore Konstanze Agnes Fransky (1794 – 1843). Pseudonym: Agnes Franz

Lebensmut

Wenn in’s Blaue die Falken steigen,

Lebensmut

Wenn in's Blaue die Falken steigen,
Steigt die kühne Seele mit!
Wenn sich Abends Blumen neigen,
Ach die Seele neigt sich mit!

Ahnt in jenem kühnen Steigen,
Wie sie streiten wird und stritt!
Ahnt in diesem süßen Reigen,
Was sie leiden wird und litt!

Leid' und streite, liebe Seele!
Er, der für dich litt und stritt,
Er, der Eine sonder Fehle,
Siegt im Kampf, und du siegst mit!

Friedrich de la Motte Fouqué

Friedrich Heinrich Karl de la Motte Fouqué (1777 – 1843), deutscher Dichter, Schriftsteller

Liebe

Liebe will so gerne sprechen

Liebe will so gerne sprechen,
Doch auch schweigen will sie gerne
D'rum durch Bilder, Blumen, Sterne
Muß sie - schweigend - sprechen.

Anastasius Grün

Count Anton Alexander von Auersperg (1806 – 1876), österreichischer Dichter, Schriftsteller, Politiker. Pseudonym: Anastasius Grün.

Der Bach

Du Bach, der unter übergebogenem
Gesträuch

Der Bach
1797

Du Bach, der unter übergebogenem
Gesträuch, und weißem Glimmergeschiefer, sanft
Wie Flöten aus der dunkeln Grotte
Jener bewurzelten Felswand rieselt;

An deinem Rand, der moosig und sanft sich hebt,
Vom Blätterdach vor jeglichem Späheraug',
Und Sonnenblick beschirmt, vergeß' ich
Menschen und Welt und Wunsch und Sorge.

In süßer Ruhe schwanken in's Gleichgewicht
Der Leidenschaft Schaalen; Vergangenheit
Und Zukunf, schwinden im Genuße
Seeliger Gegenwart, matt und dämmernd.

Genuß des Augenblickes! O seltnes Glück
Dem Sterblichen, der immer mit schnellem Fuß
hervor strebt, bald voraus bald rückwärts
Schaut, und darüber des Weges Blumen

Jetzt übersieht, und jetzt zu Boden tritt!
O Quell, der du der Seele die Luft gewährst,
Gewisslich aus der Seeli'gen Fiuren
Sprudelst du aufwärts, im Ausflluß Lethes!

Theone und Nina

Lebenskranz

In schweren Träumen lag ich diese Nacht

Lebenskranz.

In schweren Träumen lag ich diese Nacht,
Nur an das Eine hab' ich stets gedacht,
Des Dichters Wort: >Hab' einst in Jugendtagen
Wohl auf dem Haupte einen Kranz getragen.<
Mir aber war's ich träge fort und fort
In meinen Haaren Blumen, lang' verdorrt.
Die wilden Blüten erster Jugendzeit
Zu Rosen formten sich, voll Herrlichkeit,
Die rot und röter flammend mich umfingen,
Bis sie entblättert in den Dornen hingen.
Doch bald entsprossten diesen, gross und weiss,
>Fior' di Passion<, leuchtend, fieberheiss.
Weh' mir, auch sie verwelkten. Spitz und stark
Nur noch die Dornen stechen mir in's Mark, -
So Jahr um Jahr. An letzter Ruhestatt
Entkeimt daraus vielleicht ein Lorberrblatt.

Hermine von Preuschen

Hermione von Preuschen (1854 – 1918), deutsche Malerin, Dichterin

Blumen

Blumen, ihr Engel der Erde

 Blumen

Blumen, ihr Engel der Erde!
Mit zartesten Flügeln,
wunderbar schimmernd im Tau.
Kindlich blüht ihr in Gärten
und samtenen Wiesen.
Umrandet den Waldweg
und das silbersprudelnde Bächlein.
Den Menschen Freude und Sinnbild
des himmlisch heiteren Lebens.
Arm und weihelos ist ein Fest,
keine Liebe,
ohne euch, Strahlende!
Und die Locken schmückend
der Mädchen, der innigschlanken,
erhöht ihr umduftend
die ewigen Reize
der Jugend. 

Francisca Stoecklin

Francisca Stoecklin (1894-1931), Schweizer Schriftstellerin, Dichterin, Malerin, Erzählerin

An gewisse Leute

Das ich dem Monde nur mein Leiden eingesteh

An gewisse Leute

Ihr Unempfindlichen macht mir es zum Verbrechen,
Das ich dem Monde nur mein Leiden eingesteh',
Und das ich stundenlag mit Blumen weiß zu sprechen,
Und nicht zu euch mich Rat erholen geh'?

Nein! Lieber sei mein Zufluchtsort ein Garten!
Hier klag' ich Florens Kindern meine Not:
Und hab' ich gleich nicht Trost von ihnen zu erwarten,
So lohnen wenigstens mich keins davon - mit Spott.

Gabriele Baumberg

Gabriele Bacsányi (geborene von Baumberg (1785 – 1789), österreichische Dichterin, Schriftstellerin

Frühlingsgedanke

Vögel singen, neues Leben,

Frühlingsgedanken

Vögel singen, neues Leben,
Frisches Grün an Blatt und Baum:
Für die Vögel neue Lieder,
Für das Herz ein neuer Traum!

Doch das Leben wird veralten,
Hin zur Erde welkt das Grün;
Blumen senken ihre Häupter:
Wirst, mein Traum, auch du verblüh’n?

Ferdinande Brackel

Ferdinande Maria Theresia Freiin von Brackel (1835-1905), deutsche Schriftstellerin, Dichterin. Pseudonym: E. Rudorf


Um Mitternacht blühen die Blumen

Sie schweben und schwingen den Reigen

Um Mitternacht blühen die Blumen

Um Mitternacht blühen die Blumen
Im Strahl des Vollmonds auf,
Da steigen aus ihren Kelchen
Die lieblichsten Elfen herauf. 

Sie schweben und schwingen den Reigen 
Und neigen und dreh'n sich im Chor,
Und selig erwachen die Vögel 
Und schau'n aus den Zweigen hervor.

Ein Rauschen wie Frühlingsgeflüster
Geht leise von Baum zu Baum,
Und treue, liebende Herzen 
Träumen den schönsten Traum.

Maria Stona

Maria Stona, geborene Maria Scholz (1861 – 1944), Dichter, Schriftstellerin, Sallonieré. Pseudonyme: Maria Stonawski, Maria Stona