Blumengruss

Bringt Veilchen mir, daß ich den Frühling schaue

Blumengruß

Bringt Veilchen mir, daß ich den Frühling schaue,
So lang des Maies zarte Kinder blühn -
Wie sind sie schöne im jungen Morgenthaue!
Bringt Veilchen mir, daß ich den Frühling schaue,
Bringt Blüten mir und junges Maiengrün!

Bringt Rosen mir, des Lenzes Haupt zu krönen,
Die Sanduhr rinnt, die Blüten sinken hin!
Bald wird des Sommers Scheidegruß ertönen!
Bringt Rosen mir, des Lenzes Haupt zu krönen,
Bringt Blumen mir, so lang die Blumen blühn!

Agnes Franz

Louise Antoinette Eleonore Konstanze Agnes Fransky (1794 – 1843)

Klein-Skunks, das Stinktier

Zur Urwaldschule früh um neun

Klein-Skunks, das Stinktier

Zur Urwaldschule früh um neun

Gehn Pantherchen und Löwchen,
Klein-Stinktier und Jung-Warzenschwein,
Das Äffchen und das Schäfchen.

Der Lehrer Nashorn spricht: «Klein-Skunks,
Was sagt mir meine Nase?!»

Klein-Skunks erwidert: «Allerdungs!

Ich stink, doch nur zum Spaße.

Mein Fellchen ist ganz unbedingt

So rein wie eine Lilie.

Mein Vati stinkt, mein’ Mutti stinkt —
Das liegt in der Familie.»

Der Lehrer Nashorn bläht voll Zorn
Die dicken Backentaschen:

«Zum Stinken ist man nicht gebor’n!
Und jetzt wirst du gewaschen!»

Schuldiener Waschbär kam heran

Mit Brummen und Gekeife,

Und fing Klein-Skunks zu waschen an
Mit Bürste und mit Seife.

Das kleine Stinktier zeterte:

«Die Seife beißt mein Äuglein!»
Hopps! sprang es auf und kletterte
Happs! auf ein Palmenzweiglein.

Seither treibt sich Klein-Skunks herum,
Ein ungeschliffner Flegel,

Und spielt im Urwald dreist und dumm
Mit Kokosnüssen Kegel.

Doch wenn es das Wort «Schule» hört,
Pflegt es sich zu entfernen.

Wo man das Stinken ihm verwehrt,
Dort will es auch nicht lernen.

Moral: Das kleine Stinktier kann sich nicht helfen —
aber Ihr, liebe Kinder, lasst euch doch hoffentlich
brav waschen, bevor ihr in die Schule geht?

Peter Hammerschlag

Peter Hermann Hammerschlag (1902 – 1942, KZ Ausschwitz), österreichischer Schriftsteller, Dichter, Graphiker, Kabarettist.

Der Hund

r ist der Inbegriff der Ausgelassenheit

Der Hund wurde speziell für Kinder geschaffen – er ist der Inbegriff der Ausgelassenheit.

Henry Ward Beecher

Hanry Ward Beecher (1813 – 1887), US-amerikanischer kongregrationalischer Geistlicher, Sozialreformer, Autor, Redner. Setze sich gegen die Sklaverei ein.

Herz

Dass daher Eltern und Kinder alles daran liegen müsse

Dass daher Eltern und Kindern alles daran liegen müsse, dass ihre Herzen gegenseitig warm und zutrauungsvoll erhalten werden.

Johann Heinrich Pestalozzi

Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827), Schweizer Pädagoge, Sozialreformer

zwischen Eltern und Kindern

Dass man dieses einfache Naturgefühl

Dass man dieses einfache Naturgefühl zwischen Eltern und Kindern zu Grund richtet, wenn man in Sachen, die ihre gegenseitige Angelegenheit sind, viel vom harten Recht redet.

Johann Heinrich Pestalozzi

Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827), Schweizer Pädagoge, Sozialreformer

ein Herz und eine Seele

Dass Eltern und Kinder vermöge ihrer Naturverhältnisse

Dass Eltern und Kinder vermöge ihrer Naturverhältnisse wie ein Herz und eine Seele sein sollten.

Johann Heinrich Pestalozzi

Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827), Schweizer Pädagoge, Sozialreformer

Das Mädchen

Uns sie soll in ihrer Wiege

Das Mädchen

Mutter, Mutter! meine Puppe
Hab' ich in den Schlaf gewiegt,
Gute Mutter, komm und siehe,
Wie so englisch sie da liegt.

Vater wies mich ab und sagte:
Geh', du bist ein dummes Kind!
Du nur, Mutter, kannst begreifen,
Welche meine Freuden sind.

Wie du mit den kleinen Kindern,
Will ich Alles mit ihr thun,
Und sie soll in ihrer Wiege
Neben meinem Bette ruh'n.

Schläft sie, werd' ich von ihr träumen,
Schreit sie auf, erwach' ich gleich, –
Meine himmlisch gute Mutter,
O wie bin ich doch so reich!

Adelbert von Chamisso (1830)

Louis Charles Adélaïde de Chamissot de Boncourt (1781 – 1838), deutscher Dichter und Naturforscher

Die Kinder

Er spielt nicht mehr, er ist bei mir

Die Kinder

1 
Abends

Auf meinem Schoße sitzet nun
Und ruht der kleine Mann;
Mich schauen aus der Dämmerung
Die zarten Augen an.
 
Er spielt nicht mehr, er ist bei mir,
Will nirgend anders sein;
Die kleine Seele tritt heraus
Und will zu mir herein.

 2
Mein Häwelmann, mein Bursche klein,
Du bist des Hauses Sonnenschein,
Die Vögel singen, die Kinder lachen,
Wenn deine strahlenden Augen wachen.

Hans Theodor Woldsen Storm (1817 – 1888), deutscher Jurist, Dichter und Novellist

Meine Lust ist Leben

Gute Nacht, ihr Freunde, ach, wie lebt ich gern!
Dass die Welt so schön ist, dankt' ich dem Herrn.
Dass die Welt so schön ist, tut mir bitter weh,
wenn ich schlafen geh!

Ach, wie möcht' ich einmal noch von Bergeshöhn
meine süße Heimat sonnbeleuchtet sehn!
Und den Herrn umarmen in des Himmels Näh',
eh' ich schlafen geh.

Wie man abends Kinder ernst zu Bette ruft,
führt der Herr mich schweigend in die dunkle Gruft.
Meine Lust ist Leben, doch sein Will' gescheh',
dass ich jetzt schlafen geh'.

Peter Rosegger

Peter Rosegger (1843 – 1918), Pseudonym P. K., Petri Kettenfeier, österreichischer Volksschriftsteller und Erzähler, Autodidakt, begann als Wanderschneider