Die Fichte und der Ephos

herrlicher Kräfte Natur

Die Fichte und der Ephos

Sieh ich erhebe mein Haupt kühragend in Lüfte des Himmels.
Trotz den Wettern! So steht mutig in Kämpfen ein Held.
Schwaches Pflanzengewächs, du windest dich zitternd am Boden,
Ungleich teilte das Maaß herrlicher Kräfte Natur!

Schwach wohl bin ich und schüchtern, doch hebt mein zartes Gewind sich
Über die Ulme; wie du, steht sie ein glänzender Held,
Und ich rank' an der Teuren, mich auf mit süßem Vertrauen,
Liebe gewährt mir die Kraft, die mir versagte Natur.

Louise Brachmann

Karoline Louise Brachmann (1777 – 1822), deutsche Dichterin, Schrifttellerin. Pseudonyme: Klarfeld, Sternheim, Louise B.

An die Wolken

Es jagen die Stürme

An die Wolken

Es jagen die Stürme
Am herbstlichen Himmel
Die fliehenden Wolken;
Es wehen die Blätter
Des Haines hernieder,
Es hüllt sich in Nebel
Das ferne Gebirg. -

O jaget, Ihr Wolken,
In stürmender Eile.
Ihr ziehet nach Süden,
Wo freundlich die Sonne
Den wehenden Schleier
Euch liebevoll schmücket
Mit goldenem Saum.

Mich trieben die Stürme
Des Schicksals nach Norden
Dort mangelt mir ewig
Die Sonne der Freude,
Und nimmer verkläret
Ihr Lächeln die Wolken
Des düsteren Sinnes.

Und darum geleit’ ich
Mit Seufzern der Sehnsucht
Euch, luftige Bilder
Der wechselnden Laune
Des ewigen Himmels,
Und flüchtete gerne
Nach Süden mit Euch.

Natalie

Charlotte von Ahlfeld

Charlotte Elisabeth Luise Wilhelmine von Ahlefeld (1781 – 1849). Pseudonyme: Elisabeth Selbig, Natalia, Emetine, Frau Charlotte Seebach Felicitas, Elise Selbig, Marie Müller. Deutsche Schriftstellerin, Dichterin

Geduld

Umstarrt vom Eis des Norden

Geduld

Umstarrt vom Eis des Norden
In trüber Einsamkeit,
Ist mir ein Blümchen worden
Das duftend mich erfreut.

Im Thaue bittrer Thränen
Entfaltete es sich,
Und heilte von dem Sehnen
Nach bessrer Zukunft mich.

Tief trag ich es verborgen
In der verschwiegnen Brust.
Da wandelt’s meine Sorgen
In stiller Wehmuth Lust.

Um mein Geschick zu tragen
Gab mir’s des Himmels Huld.
Wie heisst es? wirst Du fragen.
Das Blümchen heisst – – Geduld.

Natalie

Charlotte von Ahlfeld

Charlotte Elisabeth Luise Wilhelmine von Ahlefeld (1781 – 1849). Pseudonyme: Elisabeth Selbig, Natalia, Emetine, Frau Charlotte Seebach Felicitas, Elise Selbig, Marie Müller. Deutsche Schriftstellerin, Dichterin

Die Haarlocke

Kleinod, das als goldnes Wölkchen

Die Haarlocke

Kleinod, das als goldnes Wölkchen
Einst an meinem Himmel stand,
Einst ein Ring der Kron', mit welcher
Schönheit ihr das Haupt umwand;
Däuchst mir nun ein welkes Blättlein,
Im verflossnen Lenz gepflückt,
Das in bangen Winterstunden
Mir den Lenz vors Auge rückt.

Also wird ein Pilgerleben,
Was uns längst die Zeit entrafft,
Neu im Kleinen uns gegeben,
Fesselnd mit verjüngter Kraft;
So ein Blatt nur von dem Baume,
Der einst Liebende umwallt,
So ein Bild nur aus dem Traume,
Welcher der Geliebten galt!

Anastasius Grün

Count Anton Alexander von Auersperg (1806 – 1876), österreichischer Dichter, Schriftsteller, Politiker. Pseudonym: Anastasius Grün.

Der Traum meines Lebens

Nicht des Ruhms trügerischen Glanze

Der Traum meines Lebens
1796

Nicht des Ruhms trügerischen Glanze
Jagt' ich nach mit nimmersatter Gier;
Nicht in steter Freudenwirbeltanze
Dacht' ich meine Lebenstage mir.

Stilles Glück', vom Himmel mir beschieden,
hätte mir genügt, und ungenannt,
Mit der Welt und mit mir selbst zufrieden,
hätt' ich Gram und Sorge nie gekannt.

Ach da zeigt' ein Wonnetraum im Bilde
Nie gefühlter namenloser Luft,
Mir den Reiz einsicher Gefilde:
Schneller hob sich die beklemmte Brust.

Willig folgt' ich dem Sirenenliede,
Als der Täuschung Traumgesicht verschwand,
hingewelkt war meines Herzens Friede,
Und gelöst der Hoffnung Zauberband.

Theone und Nina

Im roten Laubwerk voll Guitaren ..

Durch Wolken fährt ein goldner Karren.

Im roten Laubwerk voll Guitaren ..

Im roten Laubwerk voll Guitarren
Der Mädchen gelbe Haare wehen
Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.
Durch Wolken fährt ein goldner Karren.
In brauner Schatten Ruh verstummen
Die Alten, die sich blöd umschlingen.
Die Waisen süß zur Vesper singen.
In gelben Dünsten Fliegen summen.
Am Bache waschen noch die Frauen.
Die aufgehängten Linnen wallen.
Die Kleine, die mir lang gefallen,
Kommt wieder durch das Abendgrauen.
Vom lauen Himmel Spatzen stürzen
In grüne Löcher voll Verwesung.
Dem Hungrigen täuscht vor Genesung
Ein Duft von Brot und herben Würzen.

Georg Trakl

Georg Trakl (1887 – 1914), österreichischer Dichter, Schriftsteller.

Sommerblume

Eine Sonnenblume sah ich jüngst

Sommerblume

Eine Sonnenblume sah ich jüngst.
Grau der Himmel, grau die ganze Welt.
Und der überhöhe Blumenschaft,
Stolz und hoch ob nieder'm Grünzeug ragend,
Hatte eine, eine Riesenblume.
Doch die Riesenblüte, die noch jüngst
Sehnsuchttrunken nach der Sonne schaute,
Alle Blätter drängte sonnenwärts,
Zitternd, atmend, lebend nur im Licht,
Jene Riesenblüte neigt verdorrt,
Schwarz und starr und trauernd sich am

Stamm.

Promethidenloos zeigt mir dies Bild.
Alles Streben, alles höchste Ringen
Nach der Menschheit Sonne: Ruhm tind Liebe,
Alles Zittern, Kämpfen und Erglüh'n
In der Zeugungskraft des Genius,
Neigt verdorrend einst das Haupt, wie du,
Stille, grosse, schwarze Sonnenblume.

Hermine von Preuschen

Hermione von Preuschen (1854 – 1918), deutsche Malerin, Dichterin

Wolken

Wolken, ihr himmlischen

Wolken

Wolken, ihr himmlischen!
Laßt euch begrüßen,
Luftige Pilger! Ich sink' euch zu Füßen.
Wolklen, die ihr meine Kindheit umschwebtet,
Wonnige, schimmernde Träume belebtet,
Träume von goldenen, zaub'rischen Schlosse,
Und vom ätherisch geflügelten Rosse,
Träume von Seligkeit, Träume von Frieden,
Träume von Herrlichkeit, mir nicht beschieden.

Wolken, die einst mir im farbigen Bogen
Liebend die Brücke zum Himmel gezogen,
Seid ihr dieselben? - Ihr leuchtet noch immer
Herrlich und strahlend im purpurnen Schimmer.
Himmlische Brücke! Noch hast du den Bogen,
Wie vor Jahrtausenden, prächtig gezogen,
Aber dich durfte das Kind nur betreten -
Wolken! Ach laßt mich still weinen und beten.

Louise von Ploennies

Louise von Ploennies, geborene Leisler (1803-1872), deutsche Schriftstellerin, Dichterin

Schneeglöckchen

Schneeglöckchen auf dem ersten Grün

Schneeglöckchen

Schneeglöckchen auf dem ersten Grün!
Dem Schnee der Unschuld hold entsprossen,
In das der Himmel, licht und rein,
Die jungen Strahlen hat ergossen.
Nicht Rosenpracht darf sich vermessen
Zu nahen ihm mit Duft und Glüh'n;
Schneeglöckchen auf dem ersten Grün,
Wir können's nimmermehr vergessen.

Angelika von Hörmann 

Angelika von Hörmann, geborene Emilie Geiger, verheiratet Emilie Hörmann von Hörbach (1843 – 1921), österreichische Dichterin, Schriftstellerin. Pseudonyme: Angellika von Gera

Wunsch

Als ich geschaut dir in die Seele

Wunsch

Als ich geschaut dir in die Seele,
Da zog mich mild Zaubernacht,
Und schüchtern, halb noch trauamumfangen,
Ist junge liebe leis' erwacht.

Laß mich in deinem dunklen Herzen
Als lichter Mond am Himmel steh'n,
All' deinen Wegen will ich leuchten
Und ewig nimmer untergeh'n.

Angelika von Hörmann 

Angelika von Hörmann, geborene Emilie Geiger, verheiratet Emilie Hörmann von Hörbach (1843 – 1921), österreichische Dichterin, Schriftstellerin. Pseudonyme: Angellika von Gera