An die Wolken

Es jagen die Stürme

An die Wolken

Es jagen die Stürme
Am herbstlichen Himmel
Die fliehenden Wolken;
Es wehen die Blätter
Des Haines hernieder,
Es hüllt sich in Nebel
Das ferne Gebirg. -

O jaget, Ihr Wolken,
In stürmender Eile.
Ihr ziehet nach Süden,
Wo freundlich die Sonne
Den wehenden Schleier
Euch liebevoll schmücket
Mit goldenem Saum.

Mich trieben die Stürme
Des Schicksals nach Norden
Dort mangelt mir ewig
Die Sonne der Freude,
Und nimmer verkläret
Ihr Lächeln die Wolken
Des düsteren Sinnes.

Und darum geleit’ ich
Mit Seufzern der Sehnsucht
Euch, luftige Bilder
Der wechselnden Laune
Des ewigen Himmels,
Und flüchtete gerne
Nach Süden mit Euch.

Natalie

Charlotte von Ahlfeld

Charlotte Elisabeth Luise Wilhelmine von Ahlefeld (1781 – 1849). Pseudonyme: Elisabeth Selbig, Natalia, Emetine, Frau Charlotte Seebach Felicitas, Elise Selbig, Marie Müller. Deutsche Schriftstellerin, Dichterin

Im Nebel

Der Nebel deckt mein Alpenhaus

Im Nebel

Der Nebel deckt mein Alpenhaus,
Er nimmt mich in die Mitten,
Er hält mich hier, von Luft und Schmerz
Der Menschheit abgeschnitten.

Wie des Homeros Götter bin
Ich unsichtbar dem Volke
Und schreite wie ein Himmelssohn
In einer weißen Wolke.

Ich misse mit Gelassenheit
Die Schlimmen wie die Frommen;
Es ist ein einzig Menschenkind,
Das, mein' ich, sollte kommen.

Und wenn ich mein betörtes Herz
Auf diesem Wunsch ertappe,
So rück' ich mit verdroßnem Sinn
An meiner Nebelkappe.


Conrad Ferdinand Meyer

Conrad Ferdinand Meyer (1825 – 1898), Schweizer Dichter

Nebel am Wattenmeer

Nebel, stiller Nebel über Meer und Land

Nebel am Wattenmeer

Nebel, stiller Nebel über Meer und Land.
Totenstill die Watten, totenstill der Strand.
Trauer, leise Trauer deckt die Erde zu.
Seele, liebe Seele, schweig und träum auch du. 

Christian Morgenstern

Christian Morgenstern (1871 – 1914), deutscher Schriftsteller, Dramaturg, Journalist und Übersetzer