Fern ist der Mond der Heimat

Aus dem dunklen Meere wächst der Mond herauf

Aus dem dunklen Meere wächst der Mond herauf,
in einem fernen, entfernten Land blüht er jetzt auch auf.
Die Liebe trauert ihren vergeblichen Traum, die Liebe trauert ihren Traum,
sie wartet, auf den entfernten Abend.

Klarer scheint jetzt der Mond in meinen Kummer.
Ich ziehe das Nachtgewand an, kühl ist der Reif.
Hände, meine Hände, wie leer seid ihr, 
das alles auszusprechen! -

Du Schlaf, gib mir einen Traum, du Schlaf, einen Traum gib mir 
über die Rückkehr nach Hause, über die Rückkehr heim, heim.
Schlaf, den Traum kannst du mir nicht geben --
weil meine Sehnsucht mich ununterbrochen weckt.

Chang Chiu-Ling

Chang Chiu-Ling (673 – 740), chinesischer Dichter, Politiker. Auch Zhang Jiuling; Chang Tiou-Lin; Dschang Giu Ling; Tchan-Tiou-Lind.

Legt in die Hand das Schicksal dir ein Glück

Mußt du ein andres wieder fallen lassen

Legt in die Hand das Schicksal dir ein Glück
Mußt du ein andres wieder fallen lassen;
Schmerz wie Gewinn erhältst du Stück um Stück,
Und Tiefersehntes wirst du bitter hassen.

Des Menschen Hand ist eine Kinderhand,
Sie greift nur zu, um achtlos zu zerstören;
Mit Trümmern überstreuet sie das Land,
Und was sie hält, wird ihr doch nie gehören.

Des Menschen Hand ist eine Kinderhand,
Sein Herz ein Kinderherz im heftgen Trachten.
Greif zu und halt!... Da liegt der bunte Tand;
Und klagen müssen nun, die eben lachten.

Legt in die Hand das Schicksal dir den Kranz,
So mußt die schönste Pracht du selbst zerpflücken;
Zerstören wirst du selbst des Lebens Glanz
Und weinen über den zerstreuten Stücken.

Wilhelm Raabe

Wilhelm Karl Raabe (1831 – 1910), deutscher Schriftsteller, Erzähler. Pseudonym: Jakob Corvinus

Häxridt

Två häxor flyga fram med hast.

 Häxridt

Två häxor flyga fram med hast.
Håll fast, håll fast,
du unga lärling, vid din kvast!
Din gudmor rider, trygg och tjock,
framför dig på sin timmerbock.
I väster står en sotröd rand,
som facklors brand
vid portarna till ondskans land.

Det är en natt med traneskri,
förbi, förbi
far vindens rappa melodi.
Den unga suckar, kvävd och trängd
i djupet av sin sjuka själ:
»Nu, hem och sol och Gud, farväl!«

Den gamla tar sitt smörjehorn
och ger sin häst förnyad kraft
av dunkla blomsters saft.
»Sträck ut, sträck ut, tag noga korn
på klockans glugg i kyrkans torn!«
En stormil tar dem i sin krets,
men högt i skyn på tornets spets
står korset, tindrande i frid,
och bådas klädnad rör därvid.

Då far den gamla med ett skrik
till marken som ett kolnat lik,
ett urtömt skal, en usel rest
av skam och smuts och pest.

Den unga drivs som av en stöt
mot morgonens betäckta sköt.
Till jorden under hennes fot
det sjunker som ett moln av sot;
det är den svåra synd hon tänkt.
Men stjärnbeblänkt
hon styr sin ban
mot månens gula påsktulpan,
och kärven mellan hennes knän
slår ut som blom på videträn.
Som på en sky av stråligt ris
hon seglar friskt för vårlig bris
till paradis.

Tranbrev

Mästaren stod på stranden,
höll ett brev i handen,
tänkte med djup, gudomlig håg
         på Betanias stilla by.
Vem ibland drängar alla
skulle som bud han kalla?
Då såg han upp och vinkade ner
        en susande fågel ur sky.
»Trana, hör vad jag säger!
Vingar och ben du äger,
löp över träsk och flyg över berg
        med min himmelska tankes ord.«
Tranan, stolt och förveten,
stöter se'n dess i trumpeten,
far med ståt i sin purpurhatt
       som kurir mellan himmel och jord.

Se, nu kommer tranan,
tranan kommer från Kanan,
söker sig hit till sin nord igen,
          sitt kärr, sina frostiga bär.
Hör du tranan skria,
öppna ditt fönster, Maria,
lyssna och tänk en bebådelsenatt
         på den som dig rätt har kär.
Rent som med sol på driva
ville min längtan jag skriva,
sända den bort till din fjärran trakt
        med det ädlast betrodda bud.
Hör du hornet i blåsten
tänk: Nu kommer posten.
Vänta, du grå postiljon, och bär
          tillbaka min hälsning med Gud!


Erik Axel Karlfeldt

Erik Axel Karlfeldt (1864 – 1931), schwedischer Lyriker, Nobelpreisträger

Nebel am Wattenmeer

Nebel, stiller Nebel über Meer und Land

Nebel am Wattenmeer

Nebel, stiller Nebel über Meer und Land.
Totenstill die Watten, totenstill der Strand.
Trauer, leise Trauer deckt die Erde zu.
Seele, liebe Seele, schweig und träum auch du. 

Christian Morgenstern

Christian Morgenstern (1871 – 1914), deutscher Schriftsteller, Dramaturg, Journalist und Übersetzer

Ein jeder Tag wird mir so lang

Es steht ein Baum auf grüner Heid

Ein jeder Tag wird mir so lang.
Ach, wie so schwer die Nacht
Wenn ich sie wieder hingebracht
Traumlos und jesusbang.
 

Der Orgelton beim Abendmahl
Macht mir vor Leid die Wangen fahl
Und betend fall' ich nieder.
Wie duftet süß der Flieder
 

Wie lag das Land in Blüten weiß.
Mir ist bei Gott die Seele heiß
Ich bin so fremd geworden.
Ich hab' der Tage viel verweint,
Bin froh, wenn keine Sonne scheint
Bis an des Todes Pforten.
 

O, käm doch wer und trüge mich
Wohl in ein fernes Land,
Hast mir die Seele wundgebrannt
Ich wollt' dein Buhle schlüge dich.
 

Es steht ein Baum auf grüner Heid
Gar einsam in der Frühlingszeit,
Will träumen, will träumen,
Muß halt sein Glück versäumen.
 

Im Schlaf erschreckt mich dein Gesicht,
Es blinkt das scheue Morgenlicht
Ins Fenster meiner Kammer.
Ich krieche furchtsam aus dem Stroh
Und nehme des Erwachens froh
Die Kutte von der Klammer.
 

Wie liegt das Land in Blüten weiß,
Es kräht der Hahn, es springt die Gais
Wie müd' sind meine Hände!
Du weißt ja nicht, wie Liebe thut.
Oh hätt' ich nur ein Särglein gut
Damit ich Ruhe fände.

Jakob Wassermann

Jakob Wassermann (1873 – 1934), deutscher Schriftsteller