Schneeglöckchen

Schneeglöckchen auf dem ersten Grün

Schneeglöckchen

Schneeglöckchen auf dem ersten Grün!
Dem Schnee der Unschuld hold entsprossen,
In das der Himmel, licht und rein,
Die jungen Strahlen hat ergossen.
Nicht Rosenpracht darf sich vermessen
Zu nahen ihm mit Duft und Glüh'n;
Schneeglöckchen auf dem ersten Grün,
Wir können's nimmermehr vergessen.

Angelika von Hörmann 

Angelika von Hörmann, geborene Emilie Geiger, verheiratet Emilie Hörmann von Hörbach (1843 – 1921), österreichische Dichterin, Schriftstellerin. Pseudonyme: Angellika von Gera

Safe in their Alabaster Chambers

Grand go the Years

Safe in their Alabaster Chambers -
Untouched by Morning -
and untouched by noon -
Sleep the meek members of the Resurrection,
Rafter of Satin and Roof of Stone -

Grand go the Years,
In the Crescent above them -
Worlds scoop their Arcs -
and Firmaments - row -
Diadems - drop -
And Doges surrender -
Soundless as Dots,
On a Disk of Snow.

Emily Dickinson (1830 – 1886) US-amerikanische Dichterin

Das grau Lied

Der Lenz ist da , do will’s ihm nicht gelingen

Das graue Lied

Warum wird mir so dumpf und düster doch,
So matt und trüb um die beengte Seele,
Wenn ich an einem grauen Nachmittag
An meinen Büchern mich vergeblich quäle, –

Wenn wie ein aschenfarbiges Gewand
Der Himmel hängt ob den verschlafnen Auen
Und weit und breit von dem geliebten Blau
Nicht eine Spur das Auge kann erschauen?

Ein Geiglein tönt aus einem fernen Haus,
Man hört es kaum, gefühlvoll thät' es gerne,
Gezognem Weinen eines Kindes gleich
Mit dünnem Klang langweilig in die Ferne.

Kein Lüftchen geht, kein Grün bedeckt die Flur,
Der Lenz ist da, doch will's ihm nicht gelingen,
Die alten Streifen winterlichen Schnee's
In Wald und Graben endlich zu bezwingen.

So öd und still! Das schwarze Vöglein nur,
Das frierend sitzt auf jenes Daches Fahnen,
Zieht langgedehnten traur'gen Laut hervor,
Als wollt' es an ein nahes Unglück mahnen.
 
Ich weiß es wohl, solch grauer Nachmittag
Ist all mein Wesen, all mein Thun und Treiben.
Nicht Wehmuth ist's, nicht Schmerz und auch
nicht Lust,
Das Wort spricht's nicht, die Feder kann's nicht schreiben.
 
Mir ist, als war' ich selber Grau in Grau,
Zu viel der Farbe scheint mir selbst das Klagen,
Ob Leben Nichts, ob Leben Etwas ist,
Wie sehr ich sinne, weiß ich nicht zu sagen.

Friedrich Theodor Vicher 

Friedrich Theodor Vicher (1807 – 1887), deutscher Philosoph, Dichter, Schriftsteller

Herbst

Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer

     Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.
    In stillen Nebeltagen geh
    Ich oft durch Fichtenwald und seh
    Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,
    Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.
    Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei
    Zu kauen, lächelnd zu zerstören
    Den Traum, dem wir so gern gehören.
    Fern des Spechtes scharfer Schrei!
    Das Gras schon welk … schon starr vor Kühle,
    Von hellen Schleiern überhaucht.
    In mir das Weben der Gefühle,
    Das Herz in Bitternis getaucht …
    Soll ich Vergangenes nicht beschwören?
    Soll, was da war, nie wieder sein?
    Die Fichten nicken dunkel, hören
    Gelassen zu und flüstern Nein.
    Und da: ein ungeheures Lärmen,
    Ein Ineinanderwehn von Zweigen,
    Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,
    Die, einem Ruf gehorchend, steigen. 

Iwan Sergejewitsch Turgenjew

Iwan Sergejewitsch Turgenew – Иван Сергеевич Тургенев (1818 – 1883). russischer Dichter, Schriftsteller, Dramatiker, Erzähler

Leider sind die russischen Webseiten zur Zeit kaum zu erreichen und sehr unsicher. Sobald sich die Lage nicht ändert, kann ich nicht das Original auf russisch auf meine Webseite zeigen.

Gemälde: Iwan Sergejewitsch Turgenjew (1818 – 1883)

Aquarium

Ach, meine Wünsche tragen

Aquarium

Ach, meine Wünsche tragen
Die Seele nicht mehr an den Strand der Lider
Zur Ebbe von Gebet und Klagen
Sank sie hernieder.

Tief im geschlossenen Auge sie ruht.
Nur ihr Odem treibt matt und weiss
Noch empor an den Rand der Flut
Lilien von Eis ...

Ihre Lippen im Schmerzabgrunde
Schliesst unendliches Wellenspiel;
Und doch blühen aus ihrem Munde
Blumen auf blauem Stil.

Vor ihren Händen mein Blick erbleicht, 
Wenn er der Lilien Spur nachzieht,
Die, von einander unerreicht, Sich tot geblüht.

Und ich weiss, dass der Tod ihr naht,
Faltet sie nur ihre matten Hände,
Allzu schwach zu der Blumen Mahd,
Die keiner mehr fände ...

Maurice Maeterlinck

Graf Maurice (Moorien) Polidore Marie Bernhard Maeterlinck (1862 – 1949) belgischer Schriftsteller, Dramatiker. Literaturnobelpreis 1911.

Solange Schnee fällt

bricht aber das Frühjahr an

Solange Schnee fällt, will der Mensch alle vier Welt-Ecken bereisen; – bricht aber das Frühjahr an, so schlägt er zwei seiner besten Vorsätze aus der Acht, erstlich den, früher aufzustehen, und zweitens eben den obengedachten

Jean Paul

Johann Paul Friedrich Richter (1763 – 1825), deutscher Schriftsteller, Publizist, Pädagoge, Dichter