Spruch

Gute Nacht, gute Nacht, du bunte Frau Welt!

Spruch

"Gute Nacht, gute Nacht, du bunte Frau Welt!"
Das ist ein Lied, das üb' ich mir ein.
Denn ob mir's auch ziemlich allhier noch gefällt, -
Das Lied will doch endlich gesungen sein,
Und nur wer es übt mit stätigem Mut,
Singt's in der entscheidenden Stunde gut.

Friedrich de la Motte Fouqué

Friedrich Heinrich Karl de la Motte Fouqué (1777 – 1843), deutscher Dichter, Schriftsteller

Ich habe dich so lieb

Eine Kachel aus meinem Ofen
schenken

Ich habe dich so lieb

Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.

Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.

Vorbei – verjährt –
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.

Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.

Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.

Ich habe dich so lieb.

Joachim Ringelnatz

Hans Bötticher (1883 – 1934), deutscher Dichter, Schriftsteller, Maler. Pinko Meyer, Fritz Dörry und Gustav Hester, Gustav Dörrig, Fritz Bötticher

Zwei Lose

Ein plumper Kasten ward getragen

Zwei Lose

Ein plumper Kasten ward getragen
durchs Marktgewühl voll Achtsamkeit.
"Zerbrechlich! Eine Harfe!" warnte
auf ihm die Aufschrift, sichtbar weit.

Ein zartes Mädchen trat zur Seite,
die Augen überflort von Pein.
"Ein Herz! Zerbrechlich!" schien geschrieben
in diesem Jammerblick zu sein . . .

Beschädigt wurde nicht die Harfe
in ihrer starken Bretter Hut.
Sie klingt, wie immer sie geklungen,
und klingt im lebensfrohen Mut.

Doch in des zarten Leibes Hülle
hat nicht gerettet sich das Herz:
gebrochen ward's im Marktgewühle -
nun klagt es nimmer seinen Schmerz!

Isabella Arkadjewna Grinewskaja 

Isabella Arkadjewna Grinewskaja (1864 – 1944), russische Dichterin, Schriftstellerin. Pseudonym: Berta Beyle Friedberg

Ohne Liebe ist keine Freude

Zwei Herzen, die

Ohne Liebe ist keine Freude

 Kan die Welt auch wohl bestehen
ohn der Sonnen klahres Liecht?
kan man in der Nacht auch sehen /
wenn da Stern und Mond gebricht?
kan ein Schiffman auch wohl lachen
wenn sein Schiff begündt zu krachen?

 Eben wenig kan ich leben /
wenn mir meine Dorile /
nicht ihr klares Liecht wil geben;
Eben wenig ich besteh /
wenn sie nicht mein Schiff regieret /
und durch ihre Freundschafft führet.

 Springt ein Rehbock bey der Mutter /
mehr nicht / als er sonsten tuht?
hat ein Pferd bey vollem Futter /
auch nicht einen frischen Muht?
Also kan ich besser leben /
wenn ihr Liecht mir wird gegeben.

Zweyen Herzen / die sich lieben /
ist die allerhöchste Pein /
und das grösseste Betrüben /
wenn sie nicht zusammen sein /
weil sie sonsten nichts gedencken /
alß nur Arm in Arm zu schrenken.

 Wie die Ulmen üm den Reben
gleichsam als verliebt sich drehn:
Also wündsch ich auch / mein Leben /
bey dir umgefast zu stehn /
und dir etwas vor zusagen
von den süssen Liebes=Plagen.

Darüm wil ich mich bemühen
auff mein Fretow hinzuziehn /
und mein Leben selbst nicht fliehen /
weil ich sonst erstorben bin /
alß denn wird sie mich erfreuen /
und mir meinen Geist verneuen.

Darüm wil ich gerne lassen
der Tollense Liebligkeit /
wil mein Leben selbst nicht hassen /
weil es nuhr erlaubt die Zeit;
weg mit disen schlechten Auen /
ich wil bald mein Fretow schauen.

Sibylle Schwarz

Sibylla Schwartz (1621-1638), deutsche Dichterin